Leichenseminar mit Axel Hehl:

 

Die Arbeit unserer Hundestaffel dient vornehmlich dazu, vermisste Personen zu finden und zu retten. Bedauerlicherweise bringt es die Natur der Sache mit sich, dass wir im Rahmen dieser Tätigkeit auch mit dem Tod konfrontiert werden. Im Sinne einer zielorientierten Suche wollen wir auch hier gute Arbeit leisten und haben uns deshalb in einem Leichengeruchsseminar unter der Leitung von Axel Hehl mit diesem Thema auseinandergesetzt. 
Hunde zeigen bei menschlichem Leichengeruch meist ein mehr- oder minder auffälliges Meideverhalten. Tote vermisste Personen werden daher von Suchtrupps leider oft nicht gefunden. Unsere Mantrailer- und Flächensuchhunde wurden in dem dreitägigen Seminar umsichtig und stressfrei mit dem „Geruch des Todes“ konfrontiert. Die Reaktion jedes einzelnen Hundes wurde von Hundeführer und Suchgruppenhelfer genau beobachtet und gemeinsam mit Axel Hehl analysiert. 
Wir hoffen dadurch im realen Einsatz – im Falle des (Todes)Falles - das von unseren Hunden gezeigte Verhalten entsprechend deuten zu können, um dadurch die Erfolgsquote (wenn auch nicht immer mit dem erhofften erfreulichen Ausgang) noch weiter zu erhöhen.

Außerdem möchten wir uns im Namen der ganzen Rettungshundestaffel für das Wochenende bei Axel Hehl und der Firma Videre bedanken. 

 

 

 

 

Prüfungsvorbereitung:

 

Tierische Supernasen beim Training

Rettungshundestaffel Hunde sind nicht nur treue Begleiter, sondern auch hervorragende Helfer. Dank ihres

Geruchssinns können sie Spuren verfolgen, die selbst der Technik verborgen bleiben. Von Annika Grunert

 

Ein Sportflugzeug ist nahe Waldhausen abgestürzt. Von den sechs Insassen sind zwei tot und vier werden vermisst. Schnelles Handeln ist gefragt, um die Opfer noch rechtzeitig zu finden. Rettungshundeführerin Silvia Winkle meldet sich mit ihrer Hündin Frieda zum Einsatz. Die Hundeführerin bespricht sich mit ihrer Helferin Kerstin Winkle und verstreut Puder, um die Windrichtung zu bestimmen. Wann ist der Flugzeugabsturz passiert, ist der Jäger informiert und benötigen wir Medikamente? Das sind nur ein paar der notwendigen Fragen, die sie mit dem Einsatzleiter Achim Niedermayer klärt. Es ist zwar eine Übung, aber die läuft genauso ab wie die Prüfung und ein realer Einsatz. Silvia Winkle öffnet den Kofferraum und holt Frieda heraus. Der Riesenschnauzer bekommt eine Weste mit Glocken an. „Damit wissen auch die Jäger, dass es sich nicht um einen wildernden Hund handelt, sondern um einen

Rettungshund“, verrät Silvia Winkle und greift noch einmal zur Puderflasche. Der Wind hat sich nicht gedreht, also bekommt Frieda ein Zeichen und läuft in den Wald. Silvia Winkle folgt und hinter ihr Kerstin Winkle. „Allein aus Sicherheitsgründen ist immer ein Helfer dabei“, sagt Achim Niedermayer. Sie sorgen außerdem

für die Orientierung und für die Belohnung sowie Sicherung des Hundes, sobald er eine Person findet. „Ein Hund, der ein Opfer anfällt oder anspringt, fliegt durch die Prüfung und darf nicht eingesetzt werden“, erklärt der Vorstand der Rettungshundestaffel Ostwürttemberg. Bellen heißt: Opfer gefunden Jedes Rettungshundeteam muss regelmäßig Prüfungen ablegen.

Es gibt eine kleine, die jedes Jahr stattfindet, und eine große, die alle zwei Jahre absolviert wird. Nur wer diese besteht, darf auf einen Einsatz. Heute steht das Training für die kleine Prüfung auf dem Plan. Das heißt, jedes Rettungshundeteam hat 30 Minuten Zeit und muss mindestens eines der Opfer retten. Frieda läuft derweil von links nach rechts und schlängelt sich unter den Ästen hindurch. Es sind erschwerte Bedingungen: Es ist nicht nur kalt und das Suchgebiet teilweise schwer zugänglich, sondern der Schnee ist kniehoch. Da hat selbst der Riesenschnauzer zu

kämpfen. Sie kehrt immer wieder zu ihrem Frauchen zurück und lässt sich dann mit einem Kommando in eine andere Richtung schicken. Frieda verschwindet erneut zwischen den Bäumen - und plötzlich ist das erwartete Bellen zu hören. Sie

hat ein Opfer gefunden. Silvia Winkle folgt dem Laut ihrer erprobten Hündin, die nicht aufhört zu bellen, bis die Hundeführerin bei ihr ankommt. Seit 1996 ist die Rettungshundestaffel Ostwürttemberg im Einsatz. Derzeit besteht der Verein aus 35 Mitgliedern und 27 Hunden. Sie sind eingetragen im Katastrophen-Einsatzplan des

Ostalbkreises und als Primärstaffel im Alarmplan der Leitstelle Ostalb in Aalen. Die Rettungshundestaffel ist 24 Stunden an 365 Tage im Jahr einsatzbereit, und zwar ehrenamtlich. Jeder kann sie über die Polizei oder Rettungsleitstelle kostenlos anfordern. Die Teams helfen, Opfer aus Trümmern und lebensbedrohlichen Situationen zu retten.

 

 

 

Etwa zwei Jahre Ausbildung

Dafür stehen zwei verschiedene Sparten zur Verfügung. Zum einen gibt es die Flächensuchhunde und zum anderen die Mantrailer. Erstere kommen im Gelände, Wald, bei eingestürzten Gebäuden und in Erdbebengebieten zum Einsatz. Die Mantrailer bleiben an der Leine und werden in Stadtgebieten eingesetzt. Während die Flächensuchhunde so ausgebildet werden, dass sie allgemein Menschen finden, verfolgen Mantrailer dem Geruch einer bestimmten Person. Es gibt einen lauten Knall: Eine Fliegerbombe ist detoniert, als eine Schulklasse im Wald unterwegs ist. Während sich ein Teil der Gruppe unverletzt auf den Wegen befindet, sind andere irgendwo im Unterholz. Zeit für Kimmy und Sabine Schönwandt. Der Anfang ist gleich: Vorgehen besprechen, Meldung beim Einsatzleiter, wichtige Fragen klären, Hund anziehen und los. Doch dieses Team startet an einer anderen Stelle. Die Mischlingshündin schießt aber mit dem gleichen Eifer los, wie ihre Artgenossin. Sabine und Kimmy sind seit zwei Jahren bei der Rettungshundestaffel Ostwürttemberg dabei. So lange dauert es in etwa, bis ein Team ausgebildet ist. Zum einen muss der Hund lernen, Menschen zu suchen und zu melden, und zum anderen benötigt der Hundeführer ein gewisses Know-how. Navigation mit Karte, Orientierung und der Umgang mit dem Funkgerät sind unerlässlich. Genauso wie ein Erster-Hilfe-Kurs für Menschen und einen für Hunde. Außerdem ist eine gute Hund-Mensch-Beziehung wichtig. „Man muss seinen Hund gut beobachten und einschätzen können, schnüffelt er nur so oder verfolgt er eine Spur“, sagt Ausbilder Roland Wegmer.

 

Rechtzeitig aufhören

Sabine Schönwandt kennt ihre Hündin genau. Sie merkt, dass Kimmy von Anfang an etwas abgelenkt war und je länger die Suche dauert, umso schwieriger wird es. Nach einer kurzen Pause inklusive Kuscheleinheiten, versuchen sie es weiter. Doch es hat keinen Zweck. Die Rettungshundeführerin bricht ab. „Ich möchte meinem Hund nicht die Freude an der Suche nehmen und sie überfordern“, sagt Schönwadt. Glücklicherweise ist heute keine Prüfung und so machen die beiden Platz für das nächste Team. „Der Rettungshundeführer entscheidet, wann es für ihn und seinen Hund genug ist. Im Ernstfall wird sich dann mit den anderen Teams abgesprochen, damit trotzdem das komplette Gebiet abgesucht wird“, sagt Roland Wegmer. Lui und Konstanze Hummel sind noch neu, aber nicht weniger begeistert. „Es ist schön, gemeinsam etwas zu erarbeiten und ein Team zu sein“, sagt die Rettungshundeführerin. Der Labrador rennt kreuz und quer. Er schnuppert was, das Zeug hält. Manchmal verschwindet er im Dickicht, sodass nur noch das Glockenläuten zu hören ist. Mal dreht er um, als wolle er sichergehen, dass er keine Spur verpasst. Das Team verlässt die vorgegebenen Pfade und stapft querfeldfein. Die Zeit vergeht, ohne dass Lui ein Opfer findet. Einen letzten Versuch starten sie und biegen ab. Dann ertönt das Gebell. Die Erstversorgung wird simuliert und Lui belohnt. Silvia Winkle ist dieses Mal Helferin und entdeckt auf dem Rückweg ein weiteres Opfer. Weil es nur ein Training ist, geht sie nicht hin, stattdessen soll Lui

es finden. Doch er läuft mehrfach dran vorbei. „Versuch es einmal über den anderen Weg“, rät Achim Niedermayer. Und siehe da: Der dreijährige Hund schlägt an. Der Wind stand ungünstig, wie Silvia Winkle bemerkt und sagt: „Immer pudern,

pudern, pudern!“ Bis zur Prüfung im Sommer haben die Teams aber noch Zeit zu üben.

 

Der Artikel ist am 2. März 2019 in der Zeitung INSCHWABEN erschienen.

 

 

Fortbildungstag beim Polizeirevier Aalen

2018-04-07 – Aalen – Die Rettungshundestaffel Ostwürttemberg und die Maltester Rettungshundestaffel Schwäbisch Gmünd hatten die Möglichkeit die ehrenamtliche Arbeit der Rettungshundestaffel beim Polizeirevier Aalen vorzustellen. Die Diensthundeführerin Claudia Dieth hatte den Fortbildungstag beim Polizeirevier Aalen organisiert. Der Fortbildungstag begann am Morgen mit einem theoretischen Teil. Anhand der Präsentation der Landesarbeitsgemeinschaft Rettungshunde Baden Württemberg erläuterten Achim Niedermayer und Michael Berger die Einsatz- und Unterstützungsmöglichkeiten, Kompetenzen der Rettungshundestaffeln etc. Anschließend wurden zahlreiche Fragen von den sehr interessierten Polizeibeamten durch die ehrenamtlichen und ebenso anwesenden Rettungshundeführer beider Rettungshundestaffeln beantwortet, am Ende war es eine tolle Diskussion wie sinnvoll doch die Rettungshunde die Arbeit der Polizei bei Vermisstensuchen ergänzen können. Gespannt ging es anschließend mit den praktischen Ausbildungsteilen zu Einsatzmöglichkeiten weiter. Zunächst war ein Mantrailer Hundeteam an der Reihe. Eine aus dem Polizeirevier abgängige Person wurde anhand des Schals als Geruchsträger von dem Mantrailer Suchhund gesucht. Nach einigen Straßenkreuzungen konnte die „abgängige Person“ hinter dem Eingang eines Mehrfamilienhauses von dem Mantrailer aufgefunden werden. Anschließend konnten die mit anwesenden Rettungshundeführer die Leistungsfähigkeit der Flächensuchhunde demonstrieren. Vom Junghund bis zum einsatzerfahrenen Rettungshund konnten wir so auch den Aufbau der Ausbildung eines Flächensuchhundes veranschaulichen. Mit vielen Fragen und Antworten endete ein für alle Beteiligten toller ereignisreicher Tag. Für mögliche Vermisstensucheinsätze war dieser Tag ein toller und sinnvoller Informationsaustausch. Ein Dank geht an Claudia Dieth für die Organisation und den zahlreichen interessierten Polizeibeamten.

 

 

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